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Foto: Barbara Knittel
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Ist eine Krise eine gute Zeit für Reflexion?

„Ist Krise eine gute Zeit für Reflexion“ – in unserem Bloggerdialog stellt Heinz Peter Wallner (https://www.quodx.com/ueber-krisen-kletterrosen-und-den-way-of-life) diese Frage, und die nehme ich gerne auf.

Wenn Krisen einen Schub von Veränderung im Leben bewirken, manchmal verhärtete Lebensmuster mildern oder neue Lebensperspektiven eröffnen, dann bewirkt das auch ein Reflexionsbedürfnis. Aber nicht alle Krisen erreichen eine Wende- oder einen Höhepunkt – wie Michael Defrancheschi (https://www.quodx.com/wann-wenn-nicht-jetzt) das beschreibt. Für mich ist es hilfreich auf bestimmte Phasen in Krisenzeiten zu achten. Oft beginnen Krisen fast unbemerkt. Ich denke jetzt z. B. an Partnerschaftskrisen oder an kaum bemerkte Krankheiten oder an beginnende Brüchigkeit in der materiellen Sicherheit. Da ist oft noch gar kein Reflexionsvermögen möglich, – solange, bis Turbulenzen beginnen, die immer chaotischer werden können. Reflexion ist auch dann selten möglich.

Ob ich nun berate oder coache oder therapeutisch begleite, ist in dieser Phase sicher Intuition oder Einfühlungsvermögen hilfreich, wie das Rainer Müller (https://www.quodx.com/selbstreflexion-im-krisenmodus) nennt, aber auch eine phänomenologisch aufmerksame Begleitung. Nehmen destruktive Tendenzen überhand, zeigen sich jetzt tiefe Schwächen im Selbstvertrauen oder werden Kräfte bemerkt, die ein Leben von Tag zu Tag ermöglichen. Der Blick in die Zukunft und die Entwicklung weiterer Perspektiven ist in dieser Phase oft nicht möglich. Was dann helfen kann, ist „eine von Mitgefühl geprägte Begegnungskompetenz“ des „Begleiters“, der „Begleiterin“. So nennt das ja Rainer Müller. In Krisen ist diese chaotische Phase besonders kritisch. Es entscheidet sich hier, ob ein Durchhalten bis zum Wende- oder Höhepunkt möglich wird oder ob ein Steckenbleiben passiert. Die Verführung, sich dann als Bergführer oder Rankgitter zur Verfügung zu stellen, ist gerade dann groß. Eher geht es für mich darum, mit dem Betroffenen zu entdecken – beginnt er oder sie zu klettern oder aufzusteigen oder langsam sich einem Fließen anzuvertrauen? Baut er/sie sich ein Rankgitter oder muss er /sie noch tiefer hinuntersteigen? Als Begleiterin in Krisen ist es wichtig, den Zeitpunkt zu merken, in dem Kreativität, Reflexionsvermögen, Entwicklung von Perspektiven langsam wieder einsetzen, und das zu unterstützen.

Was es noch braucht, – dass ich selbst Krisen von innen kenne. 

In der Krisenbegleitung anderer hilft es, selbst Krisenerfahrung zu habe, Wendepunkte zu kennen und auch Zeiten der Beruhigung und Integration von neuen Lebensentwürfen in das eigene Leben zu kennen. Nicht, um mich selbst als Modell anzubieten, sondern um in meiner „Begegnungskompetenz“ zu bleiben.

Ja – und dann noch die Frage von Rainer Müller – wie ist das mit alten Menschen, die nicht in ihre wachsende Bedürftigkeit hineinwachsen können? Ich habe da keine allgemeine Antwort. Ich entdecke mit ihnen – wieweit sind sie auch geschwächt von den gesellschaftlichen Bildern des Alters, sind sie in der Lage ihre Art des Altwerdens immer wieder zu merken, neu zu entwerfen und auch zu leben? Oft geht es darum, in der Schwächung, in der wachsenden Bedürftigkeit noch mehr zu entdecken. Eine andere Form von neuer Menschlichkeit, einen Hinweis auf die eigene Vergänglichkeit?

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