Eisberg
Photo by Christian Pfeifer on Unsplash (bearbeitet)

Klimawandel. Von Eisbergen und Gletscherschmelze im Geschäftsleben

Machen wir uns nichts vor: Schon so manches Ziel hätten wir bedeutend eleganter erreicht, wäre da nicht schon zu Beginn dieser scheinbar unbedeutende Missklang im Team gewesen. Anfangs noch als liebenswürdige Besonderheit verstanden, entwickelte er sich bald zu einem unkalkulierbaren Eisberg, an dem das ganze Projekt beinahe gescheitert wäre.

Ist das Thema endlich abgehakt, mag es durchaus verständlich sein, den sprichwörtlichen Staub von seinen Sandalen zu schütteln, einen Strich darunter zu ziehen und sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Doch der kritische Blick zurück kann Augen öffnen: wie es dazu kam … und vor allem: was beim nächsten Mal durchaus anders laufen könnte!

Unter der Oberfläche

Die junge Annegret ist eine brillante Organisatorin. Schon bald nach ihrem Studienabschluss hatte sie sich in der Praxis bestens bewährt und in ihrem Verantwortungsbereich bisher noch alles in den Griff bekommen. Deswegen war ihr – vom Arbeitgeber als „high potential“ eingeschätzt – auch die Verantwortung für die Betreuung dieses einen, „besonderen“ Kunden übertragen worden.

Bereits im Erstgespräch mit Franz hatte sie – im Nachhinein betrachtet – ein etwas komisches Gefühl: Auftragsklärung. Die Eckpunkte waren durchaus rasch zusammengefasst und alles schien mit etwas Fingerspitzengefühl und ihrer bereits erworbenen Routine gut zu bewältigen.

Doch dann kam alles anders. Zeitverzögerungen, Missverständnisse, Halbwahrheiten.

Unter der Oberfläche hatten sich schon bald die Emotionen angestaut und die scheinbar ruhige See in ein gefährliches Gewässer verwandelt.

Worum geht’s hier überhaupt?

Dass Franz gerade ein Karriereschritt verweigert worden war, konnte Annegret nicht wissen. Auch nicht, dass er diese besser dotierte Stelle nur aus finanziellen Gründen angestrebt hatte.

Woher auch hätte sie wissen sollen, wie es um seine seit Langem angespannte Ehe stand. Um seine angeschlagene Gesundheit. Und um den Pflegefall in seiner Verwandtschaft, um den er sich kümmern musste …

Ihr Bauchgefühl hätte es ihr sagen können. Hat es ihr auch gesagt – gleich schon zu Beginn. Doch als ambitionierteste aller Key Accounter des gesamten Unternehmens war sie vor allem darauf bedacht, auch diesen Auftrag möglichst effizient und ohne unnötige Umwege abzuschließen.

Denkste.

Binnen weniger Wochen wurde aus dem scheinbar attraktiven Großauftrag ein veritables Minenfeld menschlicher Verstrickungen. Dass der Auftrag letztlich mit großer Verzögerung doch noch einigermaßen akzeptabel abgeschlossen werden konnte, war nur ihrem enormen Einsatz zu verdanken.

Aufmerksamkeit

Seit dieser Erfahrung sind Jahre vergangen. Längst hat sich Annegret zur Angewohnheit gemacht, mögliche „Untiefen“ rechtzeitig auszuloten und das Gletschereis zu schmelzen, bevor es sich zu einer unüberwindlichen Barriere auswächst.

Der Schlüssel dazu? Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit für die eigenen inneren Regungen: Was tut sich bei mir, wenn ich meinem Gegenüber begegne? Wenn ich die Projektunterlagen durchgehe? Wenn ich in der Hektik des Alltags oder einem ruhigen Augenblick auf ihn oder sie stoße?

Aufmerksamkeit für das Gegenüber: Die Bereitschaft, das Thema aus seiner oder ihrer Sicht zu betrachten. Worauf legt mein Gegenüber wirklichwert? Was ist ihr oder ihm wirklich wichtig?

Diese Momente der Introspektion und des sich Hineinversetzens in ihr Gegenüber sind ihr inzwischen zur lieben Gewohnheit geworden.

Aus der ambitionierten jungen Leistungsträgerin ist inzwischen eine erfolgreiche, allseits geschätzte Führungskraft geworden. Was man ihr nachsagt: Sie bringt dich wirklich weiter.

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