HOTLINE: 0800  –  700739

Rahmenbedingungen in Coaching und Consulting – ein naturalistischer Fehlschluss?


Eine Reaktion auf den Beitrag Reflexion belebt das Geschäft von Dr. Stefan Fourier.


Lieber Stefan Fourier,

nein, was Sie schreiben ist keine Nestbeschmutzung, sondern die längst überfällige Auseinandersetzung mit den aktuellen Rahmenbedingungen in Coaching und Consulting. Ich würde es Nestreinigung nennen.

Es ist definitiv eine Anmaßung, zu glauben, ich wüsste, was ein anderer oder eine Organisation bräuchte. Es ist nämlich genau so wie Sie schreiben, es gibt keinen Maßstab für die Zukunft. Die Welt und die Menschen sind nun einmal nicht determiniert, auch wenn das wunderbar wäre (für Coaches und Berater). Aber den Gefallen tut sie uns nicht.

Ihre Frage, „Wo bleibt die Freiheit des Menschen, sich irren zu dürfen?“ Würde ich vielleicht etwas anders formulieren. Sich zu irren ist auch nicht menschlich, sondern Prognosen für die Zukunft können einfach nicht getroffen werden.

Es mag weit hergeholt erscheinen, doch wir finden in der Auseinandersetzung mit dem NS Staat einen hoch interessanten Hinweis. Es ist natürlich einfach, von niederen und verbrecherischen Existenzen auszugehen.

Sich von ihnen zu distanzieren ist leicht, doch tatsächlich waren es ganz „normale“ Menschen. Das und die Widerlichkeit der Taten zusammen zu denken ist sehr, sehr schwierig. Aber notwendig. In dem Buch Vernichten und Heilen von Angelika Ebbinghaus und Klaus Dörner fand ich den sehr nachdenklich machenden Hinweis:

In einem typischen und weithin (auch heute noch) geläufigen, sog. naturalistischen Fehlschluss – »Aus dem, was ist, lässt sich ableiten, was sein soll.« – wurde (und wird) naturwissenschaftliches Wissen zugleich als wertgerichtetes Wissen nicht nur für ärztliche, sondern generell für individuelles und öffentliches, also beispielsweise auch politisches, Handeln aufgefasst.

Dieser „naturalistische Fehlschluss“ setzte, in Verbindung mit ausgrenzenden, rassistischen Elementen, einen unheilvollen Prozess in Gang, was es heute Gott sein Dank nicht mehr gibt. Aber der „naturalistische Fehlschluss“ besteht meines Erachtens noch immer.

Die von Ihnen am Schluss geschilderte Anekdote unterstreicht das: Es gibt kein definierbares Richtig und Falsch, sondern jeder muss in der Lage sein, eine authentische moralische Entscheidung zu treffen.

Wobei ich auch einen Stab für die Wissenschaft brechen möchte, die diese Thematik mittlerweile vielfach erkannt hat. Die Frage ist nur, ob wir es auch sonst in unserem Denken integriert haben?!

Teile diesen Beitrag

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on email
Email

Neuigkeiten zu Reflexion, Führung und Organisation